Gedanken um die Rolle der Geschlechter

Eigentlich hätte ich das dem Herrn Brüderle gar nicht zugetraut, was man ihm nachsagt, dieses Anmachen einer Journalistin. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung lässt mich vermuten, dass es hier um Wahlkampf geht. Doch das ist nicht der Punkt. An dieser, aus meiner Sicht läppischen, Affäre entzündet sich eine schwierige und längst überfällige gesellschaftliche Diskussion. Wir sind dabei, die Geschlechterrollen neu zu verhandeln.

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Kirchliche Sitten

In einer kleinen Stadt irgendwo in Deutschland kam der Landeschef einer großen kirchlichen Einrichtung zum Besuch in die örtliche Zweigstelle. Diese Zweigstelle unterhält auch einen Second-Hand-Laden, in dem gespendete Kleider, Bücher und Haushaltsgegenstände verkauft werden. Die Preise sind sehr moderat: eine Jacke kostet vier Euro, ein Hemd einen Euro, ein Schal 30 Eurocent. Am Laufen gehalten wird der Laden von etwa einem Dutzend ehrenamtlich tätiger Frauen – darunter etliche Hartz IV-Empfängerinnen – und einer Ein-Euro-Kraft.

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Das globale Dorf

Als ich zum 1. Mal in Marburg war, ging ich staunend durch die schöne Altstadt. Viele der Häuser waren aus dem 18. Jahrhundert oder älter. Wie schön dachte ich, wie schön muss es doch gewesen sein, damals zur Zeit von Goethe zu leben. Doch dann kamen mir rasch Zweifel. Wie eng doch die Häuser zusammenstehen! Wie sehr die Leute einander nicht nur durchs Fenster, sondern wie sie sich gegenseitig gewissermaßen in den Suppentopf geguckt haben müssen! Tratsch und Gerüchte, erdrückende gegenseitige soziale Kontrolle, Unfreiheit, Duckmäusertum, Spießigkeit, Selbstgerechtigkeit, Heuchelei – diese Gedanken kamen wie eine Lawine über mich. Nein, es war sicherlich nicht schön, zu Zeiten von Goethe in Marburg zu leben. Die Idylle hübscher Häuser täuscht.

Die relative Freiheit, die wir gegen Ende des 20. Jahrhunderts genossen haben, war mir da schon sehr viel lieber. Man konnte mehr oder weniger machen was man wollte, solange man dadurch niemandem schadete. Es gab so etwas wie Privatleben, Toleranz und Respekt.

Doch leider ist diese Zeit vorbei. Wir sind wieder im 18. Jahrhundert gelandet. Tratsch und Gerüchte, gegenseitige soziale Kontrolle, Unfreiheit, Spießigkeit, Selbstgerechtigkeit und Heuchelei – sie feiern im Internet fröhliche Urständ. Ich muss nur verschiedene Fora besuchen und mir für eine kurze Zeit die Kommentare ansehen. Lange halte ich das eh nicht aus. Meist findet ein Wettbewerb in den Disziplinen Eitelkeit und Niedertracht statt. Die Versprechungen des Internets vom globalen Dorf haben sich auf eine für mich erschreckende Art und Weise erfüllt.

Willkommen zum Eilan Belhaus Blog

Angefangen hat alles mit einem Kommentar Benjamins. Ich hatte vor ein paar Jahren eine Homepage, auf der ich mehr oder weniger regelmäßig Fotos veröffentlichte. (Die HP existiert nicht mehr, der Provider hat den Dienst eingestellt.) ”Warum machst Du nicht ein Blog?”, fragte Benjamin.

Warum ich kein Blog machte? Nun, weder wusste ich so genau was ein Blog ist, und schon gar nicht wusste ich, wie man ein Blog erstellt oder gar führt. Seit dieser Zeit ist viel gescheh’n… und nun Benjamin, schau her: Ein richtiges Blog von Eilan Belhaus!

Warum ich nun blogge? Eine Mischung aus Neugierde, Naivität und Mitteilungsdrang ist der Grund, schätze ich. Ich suche den Austausch mit nachdenklichen Menschen. Ich hoffe auf Anregungen, neue Gedanken und darauf, Anregungen zu geben. Ich hoffe, es klappt.

Ich will wenigstens monatlich bloggen und vielleicht öfter, wenn ich mehr Übung habe.

Allen Besuchern wünsche ich viel Freude mit meinem Blog.

Euer Eilan Belhaus