Die Herrschaft der Betriebswirte

Ich halte die Kommerzialisierung aller Gesellschaftsbereiche für ein Grundübel unseres gegenwärtigen Systems. Um Missverständnissen vorzubeugen: ich habe nichts gegen die Betriebswirtschaft an sich. Sie erfüllt eine wichtige Funktion in der Wirtschaft und ist grundsätzlich eine nützliche Sache. Sie hilft Unternehmen erfolgreich zu sein. Solange sie sich auf das beschränkt, was sie kann, ist alles in Ordnung.  Die “Erbsenzähler” sind jedoch längst nicht mehr mit untergeordneten Rollen zufrieden. Sie haben die Herrschaft übernommen. Sie setzen die Ziele und bestimmen die Richtung von Unternehmen und zunehmend auch die der gesamten Gesellschaft. Und damit übernehmen sie sich und richten massiven Schaden an. Ich kenne Ausnahmen und gute Beispiele für erfolgreiche und nützliche BWLer in Führungspositionen, doch der schlimme gesellschaftliche Trend ist unübersehbar. Continue reading

Kraft und Gerechtigkeit

„Sigmar Gabriel redet in Kiel beeindruckend zum SPD-Jubiläum. Unsere Wurzeln geben uns Kraft. Soziale Gerechtigkeit ist unser roter Faden!“

Das ist ein Tweet des SPD-Bundestagsabgeordneten Soenke Rix vom 7. März 2013. Er enthält zwei Sätze, die wie Slogans für Wahlplakate wirken. Es sind wuchtige, kernige Sätze. Doch wenn können sie begeistern? Wahrscheinlich nur überzeugte Sozialdemokraten – oder sollte man sagen, SPD Mitglieder? Der sozialdemokratisch engagierte „Drucker August“ – eine Figur des  Kabarettisten Georg Schramm – sagte mal: „Wir haben jetzt eine Initiative in unserer Ortsgruppe gegründet – Sozialdemokraten in der SPD“.

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Kirchliche Sitten

In einer kleinen Stadt irgendwo in Deutschland kam der Landeschef einer großen kirchlichen Einrichtung zum Besuch in die örtliche Zweigstelle. Diese Zweigstelle unterhält auch einen Second-Hand-Laden, in dem gespendete Kleider, Bücher und Haushaltsgegenstände verkauft werden. Die Preise sind sehr moderat: eine Jacke kostet vier Euro, ein Hemd einen Euro, ein Schal 30 Eurocent. Am Laufen gehalten wird der Laden von etwa einem Dutzend ehrenamtlich tätiger Frauen – darunter etliche Hartz IV-Empfängerinnen – und einer Ein-Euro-Kraft.

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