Zeit mit Twitter

Zeit mit Twitter

Seit vier Monaten bin ich bei Twitter. Und ich überlege bereits, ob ich damit wirklich weitermachen soll. Noch bin ich unentschlossen. Die entscheidende Frage lautet: Was wiegt schwerer – der Frust oder der Spaß?

Begonnen hat alles mit einem beruflichen Auftrag. „Wir müssen was mit Social Media machen“, sagte der Geschäftsführer. Ich belegte ein Seminar der IHK zu diesem Thema. Es gab interessante Vorträge und anschließend Sessions mit den Vortragenden. Ich besuchte die Session zum Thema, wie vermeidet man Fehler bei Social Media. „Wissen Sie wer NIEMALS Social Media machen sollte?“, fragte die Referentin in die Runde. Schweigen. „Die Marketingabteilung“, sagte sie, „die dürfen da nie die Finger dran kriegen.“ In meinem Betrieb leite ich die Marketingabteilung.

Die Agentur, die meinen Chef berät, riet zu Twitter als Einstieg in das komplexe Gebiet. Also meldete ich einen Account an und legte los. Nachdem ich Renate Bergmann entdeckt hatte, öffnete ich auch einen privaten Account.

Ja, Twitter kann echt lustig sein. Es gibt solche lakonisch klugen Tweets wie den von @jazcblu: 
“So richtig unglücklich wird man erst durch nachdenken.“

Oder von 
‪@wortgourmande: „Das Leben ist die Parodie unserer Erwartungen.“

Oder solche Kracher wie den von ‪@colourfulzebra: „Mir wurde gesagt, ich sei süß. Aber ich will ganz ehrlich sein, das hängt davon ab, wo man leckt.“

Seit dem 23 Februar habe ich 127 Mal Tweet und Retweet gemacht. 19  Follower halten es mit mir aus und ich folge 56 anderen Personen.

Ich folge meist Leuten, von denen ich interessante Retweets gefunden habe. Es sind leicht- bis mittelschwere Exzentriker dabei, wie ‪@rauh_faser, der über seinen Account schreibt: „Sie haben das Ende des Internets erreicht. Hier gibt es nichts mehr zu sehen.“ Bei so was kann ich einfach nicht widerstehen. Dann sind es eben die Melancholiker mit dem tiefen Blick auf die Widersprüchlichkeit der Welt und des Menschen, die mich „kriegen“. Ja, und dann sind da noch Menschen aus meinem realen sozialen Umfeld, Leute, die ich bei interessanten Veranstaltungen kennenlerne, die eben auch twittern. Und dann gibt es noch Menschen, denen ich gerne folgte und von denen ich mir wünschte, sie folgten mir, wenn sie nur twitterten – aber sie tun´s nicht.

Trotz der überschaubaren Zahl von Leuten, denen ich folge, kommt täglich eine Flut von Tweets. Selten finde die Zeit, alle zu lesen. „Twitter – das soziale Müllsortierband“ ätzt der Autor Peter Glaser (@peterglaser).

Es gibt bei Twitter Leute, die nicht twittern, welche die kaum, wenig oder mäßig twittern und andere die viel, sehr viel und welche die anscheinend immer twittern, gewissermaßen die Ketten-Twitterer.

Ich habe den Verdacht – und es wäre sicher ein lohnenswertes Thema für eine Masterarbeit in Soziologie mit Chance auf einen Artikel bei Spiegel-Online – dass die Anzahl der Tweets im einfach  proportionalen Verhältnis zur Einsamkeit der/des Twitternden steht.

Dazu passt auch der Tweet von ‪@klosterkind: „Man hat 10 Twitterer gefragt, ob man Sex verlernen kann. 7 fragten mit welcher Hand, 2 mussten Sex googeln und einer ging Bier holen.“

Und der von ‪@Hannoveraner74: „Auto gewaschen und vollgetankt, Pizza bestellt und Sex gehabt. Erstaunlich was man alles schafft, wenn Twitter 5min hängt.“

Die Antwort auf die Eingangsfrage verschiebe ich noch ein Weilchen.  More to come…

About Eilan

Eilan Belhaus ist Dichter und Wortspieler, Poet und Beobachter. Er erforscht die Welt meditativ und lädt Dich zu seiner Welt ein. Eilan freut sich über Kommentare und darauf, in Deine Welt eingeladen zu werden.
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