Sie kennen das sicher: es ist da ein Zimmer in Ihrem Haus, das sie schon länger nicht betreten habe. Etwa das Zimmer der jüngsten Tochter, die schon seit einem Jahr studiert und weggezogen ist. Man öffnet die Tür und hat so ein unbehaustes Gefühl. So geht es mir, wenn ich wieder einmal meinen Blog anschaue.
Dass ich dringend wieder etwas bloggen muss, hat mir heute eine liebe – oder besser: nette – Kollegin deutlich gemacht. „Herr Belhaus“, sagte sie – nicht ohne berechtigten Vorwurf, „Ihr letzter Blogeintrag ist ja schon am 13. August gewesen.“
Es ist nicht so, dass ich nicht schreiben würde. Aber irgendwie kriege ich mich nicht dazu, die Sachen blogreif zu machen. Und so gammeln die Texte im Ordner Entwürfe vor sich hin. Einige Texte sind mir zu radikal, andere zu persönlich, noch andere einfach unausgegoren. Wie man sieht, funktioniert die Selbstzensur prächtig.
Wenn man eigene Texte veröffentlicht – und sei es auch nur in einem Blog – ist das ja eine gewisse Form von Exhibitionismus. Und wenn man das schon tut, will man sich ja doch irgendwie von der guten Seite zeigen. Wenn man nun eine vielseitige Person ist, kann es schwierig werden. Nicht, dass ich nun rot werden müsste (das werde ich schon lange nicht mehr), aber als virtuelle Person – das ist man nun einmal als Blogger – sollte man wohl besser irgendwie konsistent erscheinen. In meinem Fall bedeutete das eine unnatürliche Auswahl bestimmter Charakterzüge zu Lasten anderer, die nicht weniger persönlichkeitskonstituierend sind.
Ich habe mir natürlich überlegt, verschiedene Persönlichkeitsaspekte zu personifizieren. Den literarischen weiterhin als Eilan Belhaus, den humoristischen als Philipp von Blitzewitz, den romantischen als Heribert Schmacht, die Naturliebe als Julius Käfer, philosophische Gedanken würden unter dem Pseudonym Harry Schluckebier erscheinen und so weiter und so weiter. Das würde es dem Publikum leichter machen – und mir einen Haufen Arbeit. Da zu meinen Persönlichkeitsaspekten auch ein gut entwickeltes Phlegma zählt, wird daraus wohl fürs erste nichts.
Daher, liebe Besucher dieses Blogs, gibt es hier weiterhin „Kraut und Rüben“. Ich verspreche, mir bei der Zubereitung alle Mühe zu geben, dass der – zugegebenermaßen ungewöhnlich gemischte – Eintopf lecker wird. Wenn ich von etwas etwas verstehe, dann davon. Also dann: wohl bekomm’s!
Ihr / Euer
Eilan B.