Infektionsgefahr

Der Terrorismus ist eine ernste Bedrohung unserer Gesellschaft und unserer Kultur. Die größte Gefahr sind dabei weder Waffen noch Bomben. Sie lauert in unserer Reaktion.

Die Ereignisse in Paris waren ein Schock. Zur Zeit des Freundschaftsspiels hörte man die Explosionen außerhalb des Stadiums. Die Meldungen und Berichte in den folgenden Stunden und Tagen bestätigten die schlimmsten Befürchtungen. Den koordinierten Terrorangriffen verblendeter Islamisten waren Dutzende von Menschen zum Opfer gefallen.

Die Reaktionen waren entsprechend aufgewühlt und bestürzt.  Es wurde sofort von Krieg gesprochen, ein ehemaliger französischer Präsident sprach sogar vom „totalen Krieg“, eine Formulierung, die in Deutschland seltsam anmutet.

Das Ziel der Terroristen war nicht nur Menschen zu töten, sondern eine solche Reaktion hervorzurufen. Terroristen sind von einem unbändigen Hass befallen. Er hat von ihnen Besitz ergriffen wie ein zerstörerischer Parasit. Manche Parasiten im Tierreich manipulieren die Hirne ihrer Opfer. Die befallenen Tiere verhalten sich dann völlig bizarr und überhaupt nicht ihrer Art entsprechend. Das Ziel des Parasiten: möglichst viele weitere mögliche Wirtstiere zu infizieren.

Genau das scheint momentan prima zu funktionieren. Der Hass nimmt auch in unserer Gesellschaft zu. Manchmal versteckt, in vielen Fällen offen, rufen Meinungsmacher und solche, die es werden wollen, zu Gewalt auf. Sie sind bereits von der kollektiven Geisteskrankheit des Hasses befallen.

Der Hass hat kein anderes Ziel als zu zerstören. Er unterscheidet nicht. Für ihn sind alle Menschen willkommene Opfer, Beteiligte wie Unbeteiligte, Gegner wie Anhänger aller möglichen Ideologien.  

Die größte Gefahr, die meiner Meinung vom Terrorismus ausgeht, ist unsere Empfänglichkeit für den Hass. Wenn wir dem Hass nachgeben, dann wird es richtig katastrophal.

Das Gegenmittel heißt Besonnenheit.

 

 

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