Ob ich mir einen E-Book-Reader kaufen soll

Na ja, schön bequem ist es ja. Aber irgendwie ist es auch ein Beschiss. Ich zahle nicht für das Buch, ich zahle fürs Lesen. Ich habe eine begrenzte Lizenz gekauft, keinen Gegenstand. Das DRM (Management digitaler Rechte) ist eine komplexe Geschichte. Und nein, man kann die gekauften Bücher nicht einfach verleihen oder auf dem Flohmarkt verkaufen (oder bei Ebay).

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Die zwei Seiten des Netzes

Manche Kommentatoren sind der Meinung, das Ausspionieren von Botschaften der Europäischen Union durch die USA sei nur die Spitze eines Eisbergs. Das sind natürlich Vermutungen. Aber man ist geneigt, sie für möglich zu halten.

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Kennen Sie Renate Bergmann?

Vor kurzem habe ich Renate Bergmann, geborene Strelemann, kennengelernt. Zu sagen, nicht persönlich, wäre nicht ganz korrekt.  Ich weiß von Renate Bergmann einiges: sie ist 82 Jahre alt, vierfache Witwe, keine Vegetarierin, hat eine schwangere Tochter namens Kirsten, leidet unter „Ossiporose“ und Diabetes. Von meinen Nachbarn, die ich regelmäßig sehe, weiß ich deutlich weniger.

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Wider die Dummheit

Alte Hoffnungen sind schwer loszulassen. Vielleicht liegt es daran, dass ich in den 50er Jahren aufgewachsen bin. Dieser Gedanke, dass jede Generation ein wenig klüger ist, dass jedes Jahrzehnt etwas mehr Fortschritt bringt und dass die Welt insgesamt doch irgendwie auf einem guten Weg ist. Er ist mir so lieb und teuer. Wenn ich ehrlich bin, sieht es aber meist nicht danach aus. Heinrich George soll gesagt haben, wer mit 45 Jahren noch nicht gemerkt hat, dass er von lauter Idioten umgeben ist, merkt dies aus einem bestimmten Grund nicht.

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Das globale Dorf

Als ich zum 1. Mal in Marburg war, ging ich staunend durch die schöne Altstadt. Viele der Häuser waren aus dem 18. Jahrhundert oder älter. Wie schön dachte ich, wie schön muss es doch gewesen sein, damals zur Zeit von Goethe zu leben. Doch dann kamen mir rasch Zweifel. Wie eng doch die Häuser zusammenstehen! Wie sehr die Leute einander nicht nur durchs Fenster, sondern wie sie sich gegenseitig gewissermaßen in den Suppentopf geguckt haben müssen! Tratsch und Gerüchte, erdrückende gegenseitige soziale Kontrolle, Unfreiheit, Duckmäusertum, Spießigkeit, Selbstgerechtigkeit, Heuchelei – diese Gedanken kamen wie eine Lawine über mich. Nein, es war sicherlich nicht schön, zu Zeiten von Goethe in Marburg zu leben. Die Idylle hübscher Häuser täuscht.

Die relative Freiheit, die wir gegen Ende des 20. Jahrhunderts genossen haben, war mir da schon sehr viel lieber. Man konnte mehr oder weniger machen was man wollte, solange man dadurch niemandem schadete. Es gab so etwas wie Privatleben, Toleranz und Respekt.

Doch leider ist diese Zeit vorbei. Wir sind wieder im 18. Jahrhundert gelandet. Tratsch und Gerüchte, gegenseitige soziale Kontrolle, Unfreiheit, Spießigkeit, Selbstgerechtigkeit und Heuchelei – sie feiern im Internet fröhliche Urständ. Ich muss nur verschiedene Fora besuchen und mir für eine kurze Zeit die Kommentare ansehen. Lange halte ich das eh nicht aus. Meist findet ein Wettbewerb in den Disziplinen Eitelkeit und Niedertracht statt. Die Versprechungen des Internets vom globalen Dorf haben sich auf eine für mich erschreckende Art und Weise erfüllt.